Die wissenschaftliche Grundlage der DDA-Skala
Die DDA-Skala zur Ausdauer (subjektives Belastungsempfinden) ist eine für den Schul- und Breitensport adaptierte Version der international etablierten Rate of Perceived Exertion (RPE)-Skala nach Gunnar Borg. Sie wurde 2013 von E. Deddens und R. Duwenbeck speziell für den Schulsport weiterentwickelt und basiert auf den bewährten Borg-Skalen (6–20 und CR10) sowie weiteren etablierten Instrumenten zum subjektiven Belastungsempfinden.
Theoretischer Hintergrund
Die Skala beruht auf der psychophysischen Theorie der Wahrnehmung: Der Mensch kann seine körperliche Belastung nicht nur objektiv (z. B. durch Herzfrequenz oder Laktat), sondern auch subjektiv sehr präzise einschätzen. Gunnar Borg zeigte bereits in den 1960er und 1970er Jahren, dass die subjektiv empfundene Anstrengung linear mit physiologischen Belastungsparametern korreliert – insbesondere mit der Herzfrequenz, der Sauerstoffaufnahme (VO₂) und der Blutlaktatkonzentration.
Die klassische Formel lautet:
RPE-Wert × 10 ≈ ungefähre Herzfrequenz (bpm)
Diese Beziehung wurde in zahlreichen Studien bestätigt und ermöglicht eine zuverlässige Einschätzung der Trainingsintensität auch ohne technische Hilfsmittel.
Wissenschaftliche Validierung
Mehrere große Validierungsstudien belegen die hohe Güte der Skala:
- In einer Untersuchung mit über 2.500 Personen zeigte sich eine starke Korrelation zwischen RPE und Herzfrequenz sowie Laktatwerten (r > 0,74; Noble et al., 1983; Borg, 1998).
- Weitere Studien im Ausdauersport (Laufen, Radfahren) bestätigen Korrelationskoeffizienten zwischen r = 0,70 und r = 0,95 zwischen subjektivem Belastungsempfinden und objektiven Parametern (z. B. Zinoubi et al., 2018; Chen et al., 2013).
- Die Skala ist besonders robust bei selbstgewählter Intensität (self-paced exercise) – genau wie in unserem Experiment: Läufer, die subjektiv „leicht“, „anstrengend“ oder „sehr anstrengend“ einstufen, bewegen sich in unterschiedlichen Herzfrequenz-Zonen (ca. 60–75 %, 75–85 % bzw. > 85–95 % der HFmax).
Die DDA-Skala (1–6) wurde bewusst vereinfacht und kindgerecht formuliert, behält aber die psychometrische Qualität der Originalskalen bei und eignet sich hervorragend für den schulischen und jugendlichen Kontext.
Bedeutung für unser Experiment / die App
In der App erfassen wir sowohl die subjektive Selbsteinschätzung der Teilnehmenden (über die DDA-Skala) als auch die objektiven Messwerte (Herzfrequenz, ggf. Laktat). Dadurch können wir live überprüfen, ob die subjektive Zuordnung (1 = sehr leicht bis 6 = viel zu anstrengend) mit den tatsächlichen physiologischen Belastungszonen übereinstimmt.
Diese Methode ist in der Sportwissenschaft etabliert und ermöglicht:
- eine individuelle und gruppenbezogene Validierung des Belastungsempfindens,
- die Erkennung von Diskrepanzen (z. B. bei Über- oder Unterforderung),
- eine alltagsnahe Trainingssteuerung ohne ständige Geräteabhängigkeit.
Die Kombination aus subjektiver und objektiver Messung gilt heute als Goldstandard der modernen Ausdauertrainingssteuerung.
Quellen (wissenschaftlich fundiert)
- Borg, G. (1982). Psychophysical bases of perceived exertion. Medicine and Science in Sports and Exercise, 14(5), 377–381.
- Borg, G. (1998). Borg’s Perceived Exertion and Pain Scales. Human Kinetics.
- Deddens, E. & Duwenbeck, R. (2013). DDA-Skala zur Ausdauer – Subjektives Belastungsempfinden (Schulversion). Straight Edge Media.
- Noble, B. J., Borg, G. A. V., Jacobs, I., Ceci, R., & Kaiser, P. (1983). A category-ratio perceived exertion scale: Relationship to blood and muscle lactates and heart rate. Medicine and Science in Sports and Exercise, 15(6), 523–528.
- Zinoubi, B. et al. (2018). Relationships between rating of perceived exertion, heart rate and blood lactate during continuous and alternating intensity cycling exercises. European Journal of Applied Physiology.
- Chen, Y. I. et al. (2013). Relationships of Borg’s RPE 6-20 scale and heart rate in various exercise modes. Perceptual and Motor Skills.